Ein Gehirntumor ist eine Geschwulst, die durch unkontrolliertes Wachstum der
Gehirnzellen entsteht. Da im Gehirn unterschiedliche Zellenarten vorkommen,
sind die Gehirntumore eine inhomogene Krankheitsgruppe. Die Gehirntumore werden
allgemein nach biologischer Aktivität in gutartige und bösartige Tumore differenziert.
Eine andere Differenzierung erfolgt nach der Zellart , die zum Tumorwachstum
geführt hat.
Wie zeichnet sich ein Gehirntumor ab?
Die Symptomatik (=Zeichen) ist erstens durch Tumorgröße, zweitens durch Tumorlage
im Gehirn bestimmt. Der raumfordernde Effekt der größeren Tumore führt zu einer
Gehirndrucksteigerung, diese zeichnet sich durch Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen
und zuletzt durch Bewußtseinsstörung ab. Durch Druck bzw. Infiltration der Gehirnbereiche
durch den Tumor kommt es zu lageabhängigen Funktionsstörungen des Nervensystems,
wie z. B. Krämpfe, Halbseitenlähmung, Wortfindungsstörungen, Sehstörungen, einseitige
Hörverminderung, Schwindel oder psychische Veränderungen. Es ist besonders darauf
zu achten, daß ein Gehirntumor zu Änderungen des physischen und psychischen
Zustandes des Menschen führt. Auch der Charakter der bereits bestehenden Beschwerden
(wie z.B. migränöse Kopfschmerzen) kann sich durch den Tumor ändern. Aus diesem
Grund soll jede solche Zustandsänderung einer ausführlichen Untersuchung unterzogen
werden.
Kann ein Gehirntumor zuverlässig diagnostiziert werden?
Ja. Die Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRI) ermöglichen
zuverlässige Diagnosen der Gehirntumore. Jeder Patient mit Hinweise für einen
Gehirntumor soll einer CT- bzw. MRI-Untersuchung mit anschließender klinischer
Begutachtung durch einen Facharzt für Neurochirurgie unterzogen werden.
Die Einführung der CT und MRT hat zu revolutionären Fortschritten der
Gehirntumordiagnostik geführt. Sind ähnliche Fortschritte auch im thera-peutischen
Bereich nachvollziehbar?
Die rasante Entwicklung der Computertechnologie hat auch zwei wesentliche Fortschritte
in der Gehirntumorbehandlung gebracht. Eine stereotaktische Radiochi-rurgie
ist eine neue, unblutige und effiziente Behandlungsmethode zahlreicher Gehirntumore.
Eine s.g. Neuronavigation ermöglicht durch Projektion der bei MRI-Untersuchung
gewonnenen Bilddaten im Operationsmikroskop eine exakte Operationsplanung. Eine
stereotaktische Radiochirurgie ist als Methode seit mehr als 30 Jahren bekannt.
Die rasche Entwicklung dieser Behandlungsmethode wird seit ca. 10 Jahren durch
die Computertechnologie ermöglicht. Bei dieser unblutigen und den Patienten
minimal belastende Methode werden die Röntgenstrahlen aus mehreren Ebenen in
den Tumor gezielt. Dabei erhält der Tumor die erforderliche Strahlungsdosis,
die gesunden benachbarten Gehirnstrukturen werden praktisch nicht bestrahlt.
Durch Strahleneinwirkung verliert der Gehirntumor seine biologische Aktivität,
die Tumorzellen sterben ab und der Tumor zerfällt. Bei der Neuronavigation werden
die durch eine MRI-Untersuchung gewonnenen Bilddaten rechnerisch bearbeitet
und als zweidimensionaler Plan in das Operations-mikroskop projiziert, sodaß
der günstigste Zugang zum Tumor gewählt und die Tumorgrenze markiert werden
kann. Die Neuronavigation ist somit eine technische Hilfe, die dem Operateur
eine sichere Gehirntumorresektion erlaubt.
Muß sich der Patient bei stereotaktisch-radiochirurgischer Behandlung
einer Narkose unterziehen?
Nein. Diese Methode ist für den Patienten körperlich weniger belastend als eine
Zahnbehandlung. Ein spezieller Zielring wird durch 4 Schrauben am Kopf des Patienten
in lokaler Betäubung fixiert und eine CT-Untersuchung durchgeführt. Die gewonnenen
Bilddaten werden computerisiert in eine dreidimensionale Darstellung des Tumors
und der Gehirnstrukturen umgewandelt. Auf der Basis dieser 3D-Darstellung wird
ein Linearbeschleuniger (=Strahlungsgerät) programmiert, der Patient mit dem
Zielring auf dem Bestrahlungstisch fixiert und gezielt bestrahlt. Unmittelbar
nach Behandlungsende wird der Zielring entfernt. Die stereotaktisch-radiochirurgische
Behandlung ist durch diese minimale Belastung auch für jene Patienten geeignet,
bei denen eine Narkose und Operation ein zu großes Risiko darstellen würde.
Aus Sicht des Patienten hat die stereotaktische Radiochirurgie zahlreiche
Vorteile, keine Operation und Narkose und damit verbundene mögliche Komplikationen,
sehr kurzer Spitalaufenthalt. Welche Nachteile bzw. Schwachpunkte hat diese
Behandlungsmethode gegenüber einer Operation?
Die stereotaktische Radiochirurgie ist als Behandlungsmethode für größere Tumore
mit Durchmesser von mehr als 3,5 cm und für diffus wachsende Tumore nicht geeignet.
Große Tumore müssen operativ entfernt werden. Allerdings können manche große
und schwer zugängliche Gehirntumore operativ verkleinert und anschließend stereotaktisch-radiochirurgisch
bestrahlt werden. Die stereotaktische Radiochirurgie ersetzt also nicht das
Skalpell, wie irrtümlich von einigen Journalisten präsentiert, sie erweitert
unsere Therapiemöglichkeiten der Gehirntumore. Ein Spitalsaufenthalt beträgt
bei stereotaktischer Radiochirurgie 1 bis 2 Tage.